Leben mit Büchern

Schlagwort: Leben (Seite 1 von 2)

Der neue Staat oder eine unendliche Geschichte

Im Mai 2021 flogen wieder Raketen über Israel und Palästina. Seit Jahrzehnten leiden unzählige Araber und Juden, die oftmals friedlich miteinander leben oder arbeiten, unter den Angriffen der Extremisten beider Seiten.
Was dieser Dauerkonflikt sowie Flucht und Vertreibung für die Menschen bedeuten und wie Geschichte in Familien vererbt wird, zeigt Claire Hajaj in ihrem zutiefst emotional erzählten Roman Ismaels Orangen.

Palästina 1948. Das Leben ist mindestens kompliziert geworden. Es gab eine „Zeit als sie noch Freunde hatten sein dürfen.“  Der siebenjährige Salim, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, Masen, dessen Vater einer der obersten Richter von Jaffa ist und Elia, arabischer Jude, dessen Mutter „mit den weißen Juden nach Palästina gekommen“ war.
Jetzt ist Krieg, es wird immer gefährlicher und die meisten Araber verlassen Jaffa. Auch Salims Familie flieht. Das Haus mit der Orangenplantage und den für ihn zu seiner Geburt gepflanzten Baum müssen sie zurücklassen.

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„Der ehemalige Sohn“ — Realität zwischen Absurdität, Tristesse und Tragik

Ist es tatsächlich wieder so still geworden in Minsk, wie es die Abendnachrichten erscheinen lassen? Ist diese Stadt tatsächlich wieder ins Koma geschlagen und getreten worden wie Der ehemalige Sohn in Sasha Filipenkos gleichnamigen Roman?

Filipenko erzählt von Franzisk, einem Fußball liebenden Cellospieler auf dem Musik-Lyzeum in Minsk, der bei einer Massenpanik im Vorfeld eines Rockkonzerts in einer U-Bahn-Unterführung zwar knapp mit dem Leben davonkommt, danach jedoch viele Jahre im Koma liegt. Nachdem der ihn behandelnde Arzt diesen Zustand nicht Leben nennen will und ihn als bloßes „Gemüse“ bezeichnet, ja, ihn eigentlich für tot erklärt, wendet sich sogar die Mutter ab. Allein seine Großmutter versucht alles, damit ihr geliebter Enkelsohn aufwacht.

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„Hoffnung auf Zukunft“

Zwischen dem Erscheinen der ersten beiden Bände der autobiografisch gefärbten „Hilla-Palm-Saga“, Das verborgene Wort (2001) und Aufbruch (2009), lagen lange acht Jahre. Auf den dritten Teil, Spiel der Zeit, musste sich die Leserschaft dann noch bis 2014 gedulden. Es sind jeweils sehr umfangreiche Romane, in denen die Autorin Ulla Hahn den Lebensweg der Hilla Palm, einem „Kenk vun nem Prolete“ aus einem niederrheinischen Dorf — und ausgestattet mit einer großen Liebe zu den Wörtern — an die höhere Schule und zur Universität in Köln erzählt.

Werk mit Autorin

Begleitet die Leserin, wie hier auf vitaLibris schon beschrieben, in den ersten beiden Bänden die Ich-Erzählerin Hilla immer sehr unmittelbar, erlebt und fühlt direkt mit, beginnt dann auch das Spiel der Zeit mit dem Leitmotiv LOMMER JONN.

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Begegnungen

Eine Begegnung kann dein ganzes Leben verändern. Im Job, in der Liebe, beim Sport oder beim Einkaufen. Selbst ohne dieses Bewusstsein sind Begegnungen für die meisten Menschen lebenswichtig.

Auch um unterschiedliche Perspektiven von Herkunft und Heimat aufzuspüren, Vorurteile sichtbar zu machen und aufzuzeigen, worin Menschen Heimat finden können, sind Begegnungen von Bedeutung.

Ein Mann der in den letzten Jahren die Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Herkunft — auf analogen und digitalen Wegen — gesucht und ermöglicht hat, ist der Sozialaktivist und Autor Ali Can.

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HERKUNFT — Heimat — Horizonte

Die Literaturszene ist vielfältig — vom Global Player bis zum Selbstverlag einzelner Autoren, von der Buchhandelskette bis zum Inhaber geführten Buchladen.
Vom bekannten Literaturkritiker über leidenschaftliche Lokalredakteure bis zum Hobby-Buchblogger und natürlich den unterschiedlichsten Lesern.

Dazu bereichern lokale Lesekreise oder Kulturvereine die Literaturszene.
Um diese zu unterstützen initiierte das Literarischen Colloquium Berlin das Projekt Seitab liegt die Stadt — für das Jahr 2020 mit dem Thema Herkunft —, an dem sich die Begegnungsstätte Kaufungen beteiligt.

Eine konkrete, geografische wie sozio-kulturelle Herkunft haben wir alle, und in Deutschland hat inzwischen „jeder Vierte eine familiäre Einwanderungsgeschichte“[1].

Manche fühlen sich auf ihre Herkunft reduziert, andere schämen sich ihrer oder verleugnen sie sogar. Wieder andere ziehen Kraft aus den Lebenserfahrungen, die sie durch ihre Herkunft machen durften oder gehen zumindest selbstbewusst mit der eigenen Herkunft um.

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Hilla entdeckt Worte

Bereits im August 2018 habe ich mir einen Roman gekauft, den ich zwar schon gelesen hatte, dessen Geschichte mich aber schon so lange begleitete, dass ich eine eigene Ausgabe im Bücherregal stehen haben wollte. Es ist eine dtv-Ausgabe, gebraucht aus meiner Gemeindebücherei. Auf dem untersten Rand des Covers steht ein Mädchen auf braunem Feldweg, den Blick versunken in ein Buch gerichtet.
Gelesen habe ich damals die Originalausgabe der Deutschen Verlags-Anstalt, deren Umschlaggestaltung Flusskiesel zeigt.  Nach der Lektüre wusste ich, dass es auch „Buchsteine“ sein können.
Mit diesem Taschenbuch habe ich eine Geschichte erstanden, die – aufgrund ihres Gegenstandes und seiner historischen Einordnung – eigentlich auch nicht in einen E-Book-Reader passt.
Durch die zusätzliche haptische Wahrnehmung zweier Buchdeckel, bin ich als Leserin mittendrin: In einem kleinen Dorf am Niederrhein zwischen Köln und Düsseldorf. Mittendrin im Leben einer Arbeiterfamilie in den 1950er Jahren.

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Mothers on Earth

Während bald wieder die Geburt eines Sohnes vor 2019 Jahren gefeiert wird, beklagt UNICEF 30 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention deren mangelnde Umsetzung.
Neben die alten Probleme, wie Armut und schlechte Gesundheitsversorgung, treten Klimawandel und Cypermobbing, und allein im Zusammenhang mit Migration befinden sich 330.000 Kinder in Haft oder anderen Einrichtungen, wie Heimen oder Flüchtlingslagern. Weltweit seien laut einer Studie der Vereinten Nationen mehr als sieben Millionen Kinder ihrer persönlichen Freiheit beraubt.
Es bleibt eine immerwährende Aufgabe, auf das Leben der Kinder dieser Welt zu schauen. Nicht nur zu Jahrestagen oder Weihnachten.

In dem bei S. Fischer erschienenen Bildband Mothers on Earth der israelischen Fotografin Aliza Auerbach, macht der Verlag vorab auf die Arbeit von UNICEF aufmerksam.

Auerbach schaut auf die Mütter dieser Welt und sieht dabei auch auf die Kinder. Und wenn wir auch selbst keine Kinder haben, sind wir doch das Kind unserer Mutter. Dies ist eine elementare Erfahrung, die wir alle gemeinsam haben und im hier vorgestellten Buch zum Ausdruck kommt.

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Der ungewöhnliche Roman des Mike McCormack

An einem trüben Herbsttag, „dessen Datum die Zeitung mit zweiter November angibt“, lässt sich der Ingenieur Marcus Conway von seinen Gedanken treiben.
Er steht in seinem Haus in der Grafschaft Mayo an der Westküste Irlands, seine Frau Mairead hat die lokale und die überregionale Zeitung auf dem Küchentisch bereitgelegt.
Wie immer hört er die mittäglichen Radionachrichten, nimmt auch beim Zeitunglesen teil am Weltgeschehen und „so verliere ich mich, wieder einmal in Erinnerungen“. Marcus Conway erzählt von seinem Elternhaus, von der ihn verstörenden, aber sehr erfolgreichen Kunstausstellung seiner Tochter, deren und seinem Verhältnis zu seinem Sohn Darragh oder seiner Rolle als Ingenieur im Bauamt der Grafschaft.
Mitte März erreichte ihn die Nachricht von Virusinfektionen und Vergiftungen:  „eine ganze Stadt, die sich die Seele aus dem Leib kotzte, Stoff für eine B-Movie-Apokalypse“. Auch Mairead erwischte es.

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Details sind wichtig

Es begann mit dem Film Sommerfest, nach einem Roman von Frank Goosen. Beim fröhlichen Literaturschauen erinnerte ich mich, zwei gute Besprechungen von Goosens neuem Roman Kein Wunder in Printmedien gelesen zu haben.
In ebenso guter Erinnerung habe ich seinen Debütroman Liegen lernen, der im Jahre 2000 im Eichborn Verlag erschien.
Nun fügte es sich auch noch, als ich eigentlich nur Bücher zurückgeben wollte, dass im Regal der Neuanschaffungen unserer Gemeindebücherei Kein Wunder frontal präsentiert wurde. So kam ich nicht umhin es auszuleihen und freute mich sehr aufs Lesen. Denn: Liebesgeschichten erzählen, das kann Goosen. Und zwar unsentimental, humorvoll und frei von jeglichem Kitsch, mitten aus dem Ruhrpott-Leben.
Ist ihm dies mit Kein Wunder auch über politische Systemgrenzen hinweg gelungen?

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