SoKo Börsenfieber liegt nun schon geraume Zeit im Bücherregal, ist aber leider Band drei von Gerhard Henschels Überregionalkrimis. Da aus dem Klappentext eine persönliche Beziehung der Ermittler abzusehen ist, schien es mir ratsam, die ersten beiden Teile zu besorgen und mit dem Lesen bei der SoKo Heidefieber zu beginnen.

In Bad Bevensen ist der Krimiautor Armin Breddeloh auf die gleiche Weise ermordet worden wie ein Opfer aus seinen Regionalkrimis, und nachdem über ganz Deutschland verteilt noch weitere tote Krimiautoren auftauchen, wird die SoKo Heidefieber gegründet. Um der SoKo genauere Einblicke in die Szene der Regiokrimi-Autoren zu geben, berichtet der Schriftsteller Frank Schulz ihr einige Interna. Über Social Media gestreute Missverständnisse und böse Intrigen lassen ihn danach aus Deutschland fliehen. Eine groteske Odyssee beginnt.

SoKo Heidefieber ist nicht cosy, nicht regional, ja nicht einmal besonders spannend, aber dafür ziemlich komisch.
Die Story ist so überspitzt, dass sich mancher Leser auch daran stoßen kann. Dabei wird eigentlich niemand verschont, alle bekommen heftige Spitzen ab: Politik und Polizei, Geheimdienste und Organisierte Kriminalität, Medien und Gesellschaft, allen voran der Literaturbetrieb vom unbekannten Regionalkrimi-Autor bis zum großen Verleger.
Wobei die wenigen weiblichen Charaktere doch meist recht souverän durch diese aberwitzige Geschichte kommen.

Gerhard Henschel: SoKo Heidefieber
Hoffmann und Campe Verlag 2021
ISBN des Taschenbuchs
978-3-455-01063-3

Im Reich der Schurken

Viele Wochen später, erholt vom Heidefieber, las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel, der Gianni Infantinos größte Affären während seiner bis dato zehnjährigen Amtszeit als Fifa-Präsident aufführte. Dieser erweckte den Eindruck, dass noch vor der Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko die Realität die Satire einholen könnte, weshalb ich schnell SoKo Fußballfieber lesen musste.

In diesem Überregionalkrimi kommen nun weltweit reihenweise Funktionäre nationaler Fußballverbände zu Tode. Nachdem auch in Uelzen ein Projektmanager des DFB vor einen Zug gestoßen wird,  unterstützt das Ermittlerpaar Gerold und Fischer die internationale SoKo Fußballfieber.
Im Roman tummeln sich sehr viele Menschen aus aller eher Herren Länder und das Fußballfieber hat so einige reale Personen des Zeitgeschehens erfasst. Journalisten, Politiker, Beamte, kriminelle Unterhändler und Spione gehören zum global agierenden Personal.
Dabei fasst Henschel zum Beispiel anhand der Vita des „geheimnisumwitterten BND-Agenten Giselhard Quirrler“ auf einer knappen Seite die BND-Nachkriegsgeschichte zusammen. Einfach große Klasse.

Der Erzählstil ist für Freunde des gepflegten Wortes und insgesamt sehr unterhaltsam. Für Freunde des Fußballspiels endet dieser Überregionalkrimi sogar regelrecht traumhaft.

Beim Lesen der letzten Kapitel fühlte ich mich allerdings ein wenig erschöpft. Die wiederholten Strapazen des Satirikers Thomas Gsella waren wohl nicht nur für ihn sehr anstrengend.
Dann begegnete ich auf Seite 296 noch ganz kurz Henschels bekannter literarischer Figur Martin Schlosser. Über dessen Lebensgeschichte wollte ich eigentlich schon länger etwas erfahren, doch zugegeben, dafür sollte ich lieber zur original Martin-Schlosser-Reihe greifen.

Gerhard Henschel: SoKo Fußballfieber
Hoffmann und Campe Verlag 2021
ISBN der kartonierten Ausgabe im Klappenbroschur
978-3-455-01062-6

 

Nun kann ich mich je nach Lust und Laune der SoKo Börsenfieber zuwenden. Denn irgendein Finanzskandal läuft bestimmt, und mit Humor ist schließlich alles besser zu ertragen. Mag er auch noch so böse sein …

Gerhard Henschel: SoKo Börsenfieber
Hoffmann und Campe Verlag 2022
ISBN der kartonierten Ausgabe im Klappenbroschur
978-3-455-01466-2