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Leben mit Büchern

Monat: August 2018

Im Sumpf des MI5

Slough House ist der Sumpf des MI5. Und seine Mitarbeiter, die Slow Horses, wollen dort nicht versacken.
Deren Chef ist der übergewichtige und nicht gerade beliebte Jackson Lamb.

Zu Beginn des Spionageromans folgt der Leser jedoch zunächst River Cartwright auf dem Weg ins Slough House.
Wie den anderen Kollegen dort, wurde River die Karriereleiter in der Hauptstelle des MI5 weggezogen. Aber von wem und aus welchem Grund? Welches Spiel spielen die Kollegen, und wer ist der Regisseur? Und welche Rolle spielt Robert Hobden, ein abgehalfterter Journalist, der ehemals für große – demokratische – britische Zeitungen wie den Guardian geschrieben hat, und den Cartwright observieren soll?

Als im Internet ein junger Mann live enthauptet werden soll, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Slow Horses wollen mitlaufen, um zu beweisen, dass sie es noch können.

Mick Harron ist ein klassischer Spionageroman mit trockenen Dialogen in bisweilen sehr ernsten Situationen gelungen.

Der Schreibstil ist modern mit schnellen Szenewechseln. Am Rande streift er noch gesamtgesellschaftliche Fragen, wie z.B.: Was darf Comedy? – Redefreiheit versus guten Geschmacks und Anstand werden angesprochen.

Zu guter Letzt: Unterschätze nie die Alten und Dicken – auch nicht beim Geheimdienst.

Mick Herron: Slow Horses, Diogenes 2018, ISBN der Leinenausgabe
978-3-257-07018 -7

Was bleibt?

In seinem Leben ist Wolf Wondratschek dem Literaturbetrieb eher aus dem Weg gegangen. So verkaufte er das Unikat seines Romans Selbstbild mit Ratte an eine Privatperson, die später Initiator des für Wondratschek extra ausgerufenen Alternativen Büchner-Preises wurde.
Für sein neustes Selbstbild mit russischem Klavier betritt er nun die Pfade des etablierten Ullstein-Verlags.
Und mit wunderbar altersweise anmutendem Erzählton reflektiert hier der Schriftsteller mit einem russischen Pianisten über das Leben, – ihr Leben.

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Über das Lesen (lernen)

Begreifend Verstehen

„Lesen ist ein leises Thema“, sagt die Hamburger Autorin Kirsten Boie im Interview mit dem WDR. Sie ist Initiatorin der Petition „Jedes Kind muss lesen lernen!“, die auf der Plattform Change.org am 15.08.2018 startete. Aufgerüttelt durch die letzte IGLU-Studie (internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) 2016, nach der knapp 20 Prozent der Viertklässler nicht sinnentnehmend lesen können, fordern die Unterzeichner von den Ländern mehr Geld für die Leseförderung an Grundschulen, Schulbibliotheken und die Lehrerausbildung.

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Sternenmann

Mit seinem Roman um den Astronauten Thomas Major und der in Nöten geratenen Familie Ormerod ist David M. Barnett ein unterhaltsamer Roman gelungen, der eine breite Leserschaft anspricht.

Er ist Familien- und Entwicklungsroman mit Bezügen zur britischen Popkultur der 70er Jahre bis heute und lässt einem die Protagonisten ans Herz wachsen. Manchem könnte dies etwas gefühlig daherkommen, aber insgesamt hinterlässt das Buch einen gut gelaunten Leser.

Es gibt eine kleine Dosis humorvoll verpackte Sozialkritik, ohne echtes Drama. Barnett kommt mit seiner Geschichte – bei aller Skurrilität der Handlung – ganz nah an das wirkliche Leben.

Und nach der Lektüre muss der echte David Bowie Fan erst mal wieder „Ziggy Stardust“ auflegen 😊.

David M. Barnett: Miss Gladys und ihr Astronaut, Ullstein 2018, ISBN der kartonierten Ausgabe
978-3-548-28954-0

Dem Alltag entsagen

Manchmal will man dem Alltag ein wenig entsagen. Manchmal ist man einfach Urlaubsreif. Da bietet sich der Griff zu einer leichten Lektüre, wie der von Karin Spieker geradezu an. Schließlich macht die Protagonistin auch Urlaub, wenn auch etwas unfreiwillig in der hessischen Provinz.
Und obwohl die Leserin sich zu Beginn fragt, wie aus diesem eher profanen Anfang noch die gute Unterhaltung werden soll, die sie erhofft hat, gelingt es Spieker, dass man weiterliest. So entwickelt sich noch ein Liebesroman mit überwiegend sympathischem Personal, der in allen Bereichen nicht frei von Klischees, aber so locker geschrieben ist, dass die Auszeit aus dem Alltag letztlich gelingt.

Karin Spieker: Landeierforschung, Piper 2018, ISBN der kartonierten Ausgabe 978-3-492-50152-1

Ein Kommissar ist auch nur ein Mensch

Zu Allerheiligen besucht Kluftinger mit seiner Familie den Friedhof. Bestürzt entdecken sie ein frisches Grab, darauf ein Holzkreuz mit seinem Namen versehen. Seine Todesanzeige steht kurz darauf in der Zeitung und Sterbebildchen mit Kluftingers Konterfei werden in der Kirche verteilt. Wer hat es auf den Kommissar abgesehen?

Um dies rauszufinden, begleitet der Leser ihn – von Freunden und Fans kurz Klufti genannt – in mit gewohntem Dialogwitz geschriebenen Rückblicken bis in seine Jugendzeit. Man erfährt z.B., wie er seinen Dauerrivalen Dr. Langhammer oder seine Frau kennengelernt hat.

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In Trumps Amerika

Einem breiten Publikum ist Ingo Zamperoni heute als Anchorman der Tagesthemen bekannt und manchem vielleicht auch noch aus seiner Zeit als ARD-Korrespondent in Washington, wo er viele Jahre lebte.

Mir ist seine Dokumentation über Wanderer auf dem Pacific Crest Trail in bleibender Erinnerung. Der Zuschauer erfährt darin, bewegend und immer ganz nah dran an den Beteiligten, wie diese bis an ihre Grenzen gehen müssen.

Nun hat er mit Anderland ein Buch vorgelegt, in dem er ein Jahr nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA einen Schadensbericht  – so der Untertitel – abgibt.

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