Begreifend Verstehen

„Lesen ist ein leises Thema“, sagt die Hamburger Autorin Kirsten Boie in einem Interview mit dem WDR. Sie ist Initiatorin der Petition „Jedes Kind muss lesen lernen!“, die auf der Plattform Change.org am 15.08.2018 startete. Aufgerüttelt durch die letzte IGLU-Studie (internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) 2016, nach der knapp 20 Prozent der Viertklässler nicht sinnentnehmend lesen können, fordern die Unterzeichner von den Ländern mehr Geld für die Leseförderung an Grundschulen, Schulbibliotheken und die Lehrerausbildung.

Da ist es doch gut zu wissen, dass laut JIM-Studie 2017 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren mehr lesen als je zuvor. Zu den gelesenen Büchern, deren Anteil über Jahre relativ konstant bleibt, kommt eben noch das Lesen im Internet hinzu. Aber auch zur Nutzung sozialer Medien oder dem Internet zur Informationsbeschaffung benötigen wir eine gute Lesekompetenz. Und leider ist der Anteil der Nichtleser mit 18 Prozent unter den Zwölf- bis 19-Jährigen fast genauso hoch, wie der Anteil der schlecht lesen könnenden Grundschüler.
Um in Deutschland zukünftig nicht noch weniger jugendliche Leser zu haben, heißt es weiter fördern und fordern.

Das gilt für alle Beteiligten, denn es ist auch mit Anstrengung verbunden, die Freude am Lesen zu vermitteln, solange die Kinder Buchstaben und Wörter noch nicht verbinden können. Hilfreiche Tipps gibt es z.B. bei der Stiftung Lesen.

Die Freude am Lesen kommt mit dem Verstehen. Erst dann kann ich als Leser mitfühlen, mitreisen, mitfiebern. Erst dann kann ich als Leser teilhaben an anderen Lebenswelten.

Das grundlegende Interesse der meisten Kinder an (Bilder-) Büchern ist vorhanden. Erwachsene sollten dies nicht bremsen, indem sie z.B. übertrieben gendergerecht den Mädchen das rosa glitzernde Prinzessin-Buch ausreden und das Bagger- oder Autobilderbuch anbieten. Ist der Einstieg erst einmal gemacht, kommen wie im realen Leben weitere Themen hinzu.
Und auch das digitale Lesen lernen sollte nicht verteufelt werden. Die jüngste Elterngeneration ist schon mit dem Handy aufgewachsen. Manche haben wenig Erfahrung mit Büchern und Geschichten aus Büchern. Für diejenigen bietet die Stiftung Lesen Apps oder den digitalen Vorleseservice „einfach vorlesen!“ an.

Ganzheitliches Lesen lernen kommt aber an der haptischen Erfahrung nicht vorbei!
Aus Begreifen wird Verstehen.
Meine Kinder haben Fühl- und Fingerspielbücher geliebt. Und Rotraut Susanne Berners Wimmlinger Bilderbücher hat mein Großer zu Beginn krabbelnd erkundet. So sehen die Bücher heute nach vielen Jahren der Nutzung auch aus. Gebraucht. Mit ihnen haben wir als Familie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt und später Englisch gelernt.
Und das hat viel Spaß gemacht.

Ok. Heute werden die Bücher auch mal als kurzfristige Tischerhöhung genutzt, damit der Laptop (für die Computerspiele) höher steht.

Aber lesen können meine Jungs.