Klimawandel, Staats- und Wirtschaftskrisen oder Diskriminierung; mit all diesen Themen setzt sich Literatur — mehr oder weniger differenziert — auseinander.
Manchmal aber, und gerade dann wenn aus allen Kanälen nichts anderes schallt, nehme ich ein Buch zur Hand und reise auf die Nordseeinsel Föhr oder auch an die andere Seite Schleswig-Hollsteins, an die Ostseeküste, begleite Privatdetektiv Leo Donat durch Deutschland und erfahre erstaunliches aus der Regio-Krimi-Szene, ermittele an der Seite einer risikoschwangeren Detektivin in Baltimore, und wenn ich gar nicht mehr in der Welt des 21. Jahrhunderts verweilen mag, versuche ich anno 665 mit Schwester Fidelma von Kildare herauszufinden, wer den ehrwürdigen Gelehrten Dacán ermordet hat.

Zu Besuch auf Föhr

Im zweiten Band der Oma-Imke-Reihe besucht die 15-jährige Jade ihren ein Jahr vorher (im ersten Teil) auf Föhr gestrandeten Cousin Sönke und dessen Freundin Maria.
Mit einem Begrüßungspicknick bei den Sprechenden Grabsteinen knackt ihre unkonventionelle Oma Imke das abweisende Gothic-Girl Jade. Ausgerechnet während Oma und Jade einen Malkurs im bekannten Kunstmuseum Alkersum besuchen verschwindet ein wertvolles Gemälde.
Haben Oma und Jade mit dem Bilderraub zu tun?
Sogar das BKA ermittelt.

Autor Janne Mommsen schreibt mit locker leichter Feder auch über ernstere Themen. So scheint Oma Imke nicht mehr allein in ihrer Wohnung zurecht zu kommen und die Familienmitglieder überlegen, ob sie Oma unterstützen müssen. Und vor allem wie, denn in ein Heim will die unabhängige und flippige Imke sicherlich nicht.
Dabei bekommen wir die Geschichte der Insel Föhr, ihre Sehenswürdigkeiten und manch eigentümlichen Bewohner vorgestellt.

Das ist nette Lektüre, um einfach mal abzuschalten.

Janne Mommsen: Ein Strandkorb für Oma, Rowohlt Taschenbuch,
ISBN 978-3-499-25686-8

Wer lieber mit Band 1 beginnen möchte, liest zuerst:

Janne Mommsen: Oma ihr klein Häuschen, Rowohlt Taschenbuch,
ISBN 978-3-499-25409-3
, in dem es um das Erbe eines schönen reetgedeckten Hauses geht, und neben den Familienkonflikten um bezahlbaren Wohnraum für die Insulaner.

Die Oma-Imke-Reihe umfasst fünf Bände.

Einmal rüber an die Ostseeküste

Der Weg von der Nordseeküste an die Ostseeküste Schleswig-Hollsteins ist nicht weit.
Wer zudem die hyggelige Stimmung an der Ostsee der rauen Nordsee bevorzugt, nimmt den Dumont Bildatlas Nr. 154Ostseeküste Schleswig-Hollstein zur Hand.

Vielleicht hat man schon in seiner Kindheit dort Urlaube verbracht und möchte sehen, was sich verändert hat, vielleicht war man auch als Erwachsener immer mal wieder an der Küste zwischen Flensburg und Lübeck und denkt, einen dicken Reiseführer braucht es nicht, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Vielleicht möchte man aber auch nur die stimmungsvollen Bilder, die eigentlich jeden Bildatlas auszeichnen, genießen.

Aus diesem Reise-Magazin erfahre ich wie der Ferienpark Weissenhäuser Strand entstand, oder viele Jahre später und nur wenige Kilometer entfernt das Luxus-Feriendorf Schloss Weissendorf, und was heute dort geboten wird. Als Individual-Reisende hätte ich dies im großen Reisehandbuch wohl eher überblättert.

Es gibt Themen-Seiten beispielsweise über „Das Gold des Nordens“ Bernstein, Windenergie oder spezielle „Kulinarische Entdeckungen“, die „Favoriten“ der Macherinnen unter den Strandbars, den lokaltypischen Delikatessen und den Outdoor-Erlebnissen.

Karten und ein kleiner Service-Teil gehören auch zum Heft.

Aus dem blauen Himmel auf den Fotos zu schließen, scheint das Wetter an der Ostseeküste Schleswig-Hollsteins auch immer sehr schön zu sein 😉.

Hilke Maunder (Text) und Sabine Lubenow (Exklusiv-Fotografie):
Ostseeküste Schleswig-Hollstein, DuMont Reiseverlag 2019,
ISBN 978-3-7701-9491-9

 

Und weiter geht die Reise, zunächst nach Berlin.

Lachen trotz Ama…, na, trotz des Onlinehändlers aus Seattle

Normalerweise verstehe ich bei diesem einen Onlinehändler keinen Spaß. Einen gut geschriebenen Regio-Krimi hingegen lese ich schon mal ganz gerne. Wer sich in die Provinz begibt, kommt darin um hat sich als ausgesprochen witzig erwiesen, obwohl — nein, gerade weil und wie — der Protagonist versucht bei diesem einen Onlinehändler ein Buch zu erwerben.

Das Westberliner Urgestein Leo Donat trottete bisher wenig erfolgreich durchs Arbeitsleben. Neuster Abschnitt in Leos Erwerbsbiografie ist seine Tätigkeit als Detektiv. Diese führt ihn, im Auftrag eines Verlags und auf der Suche nach verschwundenen Regio-Krimi-Autoren, nach Bayern, ins Pfälzische, quer durch Deutschland, an die Küste des Darß und zurück nach Berlin.

In diesem eher satirischen Krimi karikiert Jens Schäfer wunderbar die Buchbranche und spielt humorvoll mit den Klischees in unseren Köpfen.
Das macht einfach Spaß.

Jens Schäfer: Wer sich in die Provinz begibt, kommt darin um, Ullstein 2018,
ISBN der E-Book Ausgabe (epub) 978-3-8437-1771-7
der kartonierten Ausgabe 978-3-5482-9043-0

 

Wer lieber einen spannenderen und wendungsreicheren Kriminalfall lösen mag, kommt mit nach Baltimore.

Fenster zum Park mit Frauenpower

Auf feinsinnigen Humor müssen Leser*innen bei der Suche nach der Frau im grünen Regenmantel auch nicht verzichten.

Aufgrund einer Risikoschwangerschaft muss Privatdetektivin Tess Monaghan die Zeit bis zur Geburt liegend verbringen. Vom Wintergarten aus hat sie einen guten Blick in den angrenzenden Park. Dort fällt ihr diese modisch im grünen Regenmantel gekleidete Frau auf, die ihren mit dazu passendem Überwurf und Leine versehenen Hund ausführt.
Eines Abends zieht der Hund die Leine nur noch hinter sich her und läuft alleine durch den Park. Die Frau im grünen Mantel bleibt verschwunden.
Voller Tatendrang und Ideenreichtum sowie mit Unterstützung ihrer ältesten Freundin Whitney und dem Vater ihres Kindes Crow, macht sich Tess im Liegen daran, das Geheimnis um diese rätselhafte Frau zu lösen.

Dabei erzählt die mehrfach, unter anderem mit dem Edgar Allan Poe Award, ausgezeichnete Laura Lippman pointiert von den Hindernissen, die schwangere Berufstätige — insbesondere Detektivinnen — so zu bewältigen haben.

Der intelligent und spannend geführte Abstecher nach Baltimore ist übrigens mein persönliches Highlight dieser Reise.

Laura Lippman: Die Frau im grünen Regenmantel, Ein Fall für Tess Monaghan, aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb, Kampa Verlag 2020,
ISBN der gebundenen Ausgabe mit Farbschnitt 978-3-311-12514-3,
ISBN der E-Book Ausgabe (epub) 978-3-311-70135-4

 

Jetzt geht es nochmal zurück ins alte Europa, und zwar nach Irland.

Frauenpower in der irischen Kirche

2019 ist mit Wer Lügen sät bereits der 30. Band um eine andere starke Ermittlerin erschienen: Der irischen Nonne und Anwältin Schwester Fidelma, deren Kriminalfälle im 7. Jahrhundert angesiedelt sind.
Im heimischen Regal lag allerdings noch der dritte Band ungelesen, und so fing ich diese Reihe einfach mal damit an. Es war ohnehin der erste Fall den Fidelma in ihrer irischen Heimat untersuchte.
Dank einer kleinen Einführung des Autors Peter Tremayne ins Irland und die irische Kirche des 7. Jahrhunderts und der von ihm vorab vorgestellten Protagonisten, gelang die Reise dorthin ohne größere Schwierigkeiten.

Der Theologe Dacán aus dem Königreich Laigin lehrte und arbeitete als Gast in der Abtei Ros Ailithir, die dem Königreich Cashel unterstellt ist.
Nachdem Dacán in seiner Zelle ermordet aufgefunden wurde, bittet Colgú, designierter König von Cashel und Fidelmas Bruder, seine Schwester um Hilfe. Als Anwältin an den Gerichten Irlands und Vertreterin Cashels soll sie den Mörder finden und abwenden, dass ein sechs Jahrhunderte umstrittenes Grenzgebiet, als Sühnepreis für Dacàns Tod, an das Königreich Laigin zurückfällt.
Für Fidelma und den Krieger Cass, der sie auf ihrem Weg begleitet, wird dies ein lebensgefährliches Abenteuer um politische und familiäre Intrigen.

Gibt es doch viele Unterschiede zwischen der irischen und römischen Kirche, zwischen Fildelmas und unserer Welt, so kam Fidelma doch schon 665 zu dem Schluss:
„Aber, es war eine seltsame Welt, und die Menschen waren die seltsamsten Geschöpfe darin.“

Peter Tremayne: Tod im Skriptorium (Schwester Fidelma ermittelt, Band 3), aus dem Englischen von Friedrich Baadke, Aufbau Taschenbuch Verlag 2001,
ISBN der kartonierten Ausgabe 3-7466-1526-7

Tod im Skriptorium lässt sich auch gut lesen, ohne andere Romane der Reihe zu kennen.

Diese Reise geht hier zu Ende.

Selbstverständlich bin ich schon wieder lesend unterwegs; momentan im Dresden der Zeit als Erich Kästner ein kleiner Junge war und werde demnächst wahrscheinlich einen Britischen Richter Anfang dieses Jahrtausends besuchen.