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Leben mit Büchern

Autor: Andrea Schellhase (Seite 2 von 3)

Dörte Hansens bewegender Roman Mittagsstunde

Ein Raunen freudiger Erwartung erfüllte das Deutsche Theater Göttingen. Die Besucher unterhielten sich leise. Die Tochter sei Buchhändlerin und habe ihr zum Besuch dieser Lesung dringend geraten, sagte eine Dame. Andere haben Altes Land gelesen und wollten nun die Autorin und ihren neuen Roman Mittagsstunde kennenlernen.

Dörte Hansen war zu Gast beim Göttinger Literaturherbst und schon Tage vorher war die Veranstaltung ausverkauft. Ihr Debüt Altes Land wurde 2015 zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels gewählt und im Gespräch mit NDR-Kultur-Redakteur Joachim Dicks erzählte Dörte Hansen, dass der Stoff zu dem neuen Roman Mittagsstunde sie bereits lange Zeit vor dem Bestseller Altes Land sehr beschäftigte.
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Mit Michael Müller im Harz auf Paul Renner gestoßen

Auf der Suche nach einer Gegend oder Stadt im Harz, wo Natur und Kultur zusammenkommen, bot sich aufgrund guter Erfahrungen bei Planungen anderer Urlaube, der Blick in den Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag an.
Die Autoren Barbara Reiter und Michael Wistuba, in Österreich beheimatet, bewegen sich abseits der überlaufenen Touristenwege, benennen diese mit klaren Worten und führen schon den Leser auf tolle Wanderungen.

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Am Abgrund lässt man gern den Vortritt

Am Abgrund lässt man gern den Vortritt könnte im Herbst 2018 ein Gedanke sein, der einige Akteure der großen Koalition umtreibt. Hier handelt es sich jedoch um den von Jörg Maurer raffiniert formulierten Titel seines zehnten Alpenkrimis.

Seit seinem Erscheinen in diesem Frühjahr wollte ich mir Maurers kabarettistischen Sprachwitz wieder einmal gönnen und habe nun aber ganz gegen meine Gewohnheiten zum Hörbuch gegriffen.

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Göttingen – Die Literaturstadt Deutschlands

Welche Stadt darf den Namen Literaturstadt Deutschlands tragen? Frankfurt, weil dort die weltweit größte Buchmesse stattfindet? Berlin, weil es dort immer mehr  Verlage hinzieht? Oder ist es Leipzig, die Stadt mit Buchhandelsgeschichte und vielen Studiengängen im Bereich Buch und Medien sowie der Buchmesse mit Charme?

Vom 12. bis 21.10.2018 ist vor allem Göttingen die Literaturstadt Deutschlands.

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Hoffnung, Phantasie und Träume

Hoffnung, Phantasie und Träume tragen Bethany durchs Leben. Wacht sie auf, zieht es sie immer wieder ans Meer, an dem ihr nach Krisen – auch „ontologischer Art“ – bewusst wird, „wie unbedeutend sie ist, ein kleiner zweibeiniger Homunkulus inmitten dieser ungeheuren Weite, ein kleiner Punkt, eine winzige Mücke, die in dieser elementaren Natur aus Sand, Wasser und Himmel dahinkrabbelt“.
Sie möchte Schriftstellerin, Schauspielerin und auch Fotografin werden, aber vor allem möchte sich Bethany – wie viele jungen Menschen Anfang 20 – von ihren Eltern, vornehmlich ihrer Mutter lösen, bei der sie nach jeder gescheiterten Kurzbeziehung immer wieder einzieht.

William Boyd zeichnet in seinem Roman All die Wege, die wir nicht gegangen sind eine junge Frau, die um ihre Fehler weiß, der es aber schwer fällt diese nicht zu wiederholen.

All die Wege, die wir nicht gegangen sind ist eine intelligente, im heutigen London angesiedelte Coming-of-Age-Geschichte, die ganz nebenbei auch die Entwicklung Bethanys‘ Eltern erzählt und durchweg elegant formuliert ist.

Wird Bethany den für sie richtigen Weg gehen und ihren Platz in dieser Welt finden?

William Boyd: All die Wege, die wir nicht gegangen sind, in der Übersetzung von Ulrike Thiesmeyer, Gatsby im Kampa Verlag 2018, ISBN der Leinenausgabe
978-3-311-21003-0

Daniel Kampa – Optimistischer Verlagsgründer

Viele deutsche Buchverlage tragen die Namen ihrer Gründer. Wer heutzutage hinter einem Verlagsprogramm steht, ist allerdings selbst der interessierten Leserschaft kaum noch bekannt, und auch Buchhändler*innen verlieren in der Masse der Publikumsverlage und im Tagesgeschäft schon mal den Überblick.
Den Blick auf Daniel Kampa sollte man im Herbst 2018 allerdings richten. Weiterlesen

Das reale Grauen in Literatur verpackt

Von dem Autor und Journalisten Olivier Guez ist in Deutschland vor allem der Film Der Staat gegen Fritz Bauer bekannt. Für das Drehbuch erhielt er den Deutschen Filmpreis.

Dass Guez einen Abschluss in Internationalen Beziehungen vorzuweisen hat und unter anderem auch an der angesehenen London School of Economics studierte, ist für die Einordnung des historisch-politischen Hintergrunds seines Romans Das Verschwinden des Joseph Mengele von großem Wert. Am Ende des Buchs finden sich Quellenangaben, wie für eine historische Facharbeit. Dies ist der Roman aber mitnichten.

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Florian Illies wird neuer Verleger bei Rowohlt

Ginge es hier um einen Kriminalfall, ich würde wegen persönlicher Befangenheit von den Ermittlungen abgezogen werden. Zugegeben, bei der Generation Golf fehlt mir die journalistische Distanz.
Wie Florian Illies wuchs ich zwar in der grenznahen, – an die Jüngeren – innerdeutschen, hessischen Provinz auf und gehöre qua Geburtsjahr zu seiner Generation Golf. Aber mit diesem Buch, und seiner Inspektion einer erfundenen Generation, fühlte ich mich damals ungerechtfertigt pauschal vereinnahmt.

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Im Sumpf des MI5

Slough House ist der Sumpf des MI5. Und seine Mitarbeiter, die Slow Horses, wollen dort nicht versacken.
Deren Chef ist der übergewichtige und nicht gerade beliebte Jackson Lamb.

Zu Beginn des Spionageromans folgt der Leser jedoch zunächst River Cartwright auf dem Weg ins Slough House.
Wie den anderen Kollegen dort, wurde River die Karriereleiter in der Hauptstelle des MI5 weggezogen. Aber von wem und aus welchem Grund? Welches Spiel spielen die Kollegen, und wer ist der Regisseur? Und welche Rolle spielt Robert Hobden, ein abgehalfterter Journalist, der ehemals für große – demokratische – britische Zeitungen wie den Guardian geschrieben hat, und den Cartwright observieren soll?

Als im Internet ein junger Mann live enthauptet werden soll, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Slow Horses wollen mitlaufen, um zu beweisen, dass sie es noch können.

Mick Harron ist ein klassischer Spionageroman mit trockenen Dialogen in bisweilen sehr ernsten Situationen gelungen.

Der Schreibstil ist modern mit schnellen Szenewechseln. Am Rande streift er noch gesamtgesellschaftliche Fragen, wie z.B.: Was darf Comedy? – Redefreiheit versus guten Geschmacks und Anstand werden angesprochen.

Zu guter Letzt: Unterschätze nie die Alten und Dicken – auch nicht beim Geheimdienst.

Mick Herron: Slow Horses, Diogenes 2018, ISBN der Leinenausgabe
978-3-257-07018 -7

Was bleibt?

In seinem Leben ist Wolf Wondratschek dem Literaturbetrieb eher aus dem Weg gegangen. So verkaufte er das Unikat seines Romans Selbstbild mit Ratte an eine Privatperson, die später Initiator des für Wondratschek extra ausgerufenen Alternativen Büchner-Preises wurde.
Für sein neustes Selbstbild mit russischem Klavier betritt er nun die Pfade des etablierten Ullstein-Verlags.
Und mit wunderbar altersweise anmutendem Erzählton reflektiert hier der Schriftsteller mit einem russischen Pianisten über das Leben, – ihr Leben.

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