Leben mit Büchern

Aber der Punkt fehlt am Ende – hoffentlich – nie 😉

Schreiben ist vor allem ein kreativer Vorgang, und so pflege ich auch einen sehr kreativen, vor allem emotionalen Umgang mit den Regeln der Interpunktion, insbesondere mit denen der Kommaregeln.
Dies ist auf meine Komma-Regel-Schwäche (KRS) zurückzuführen. Es gibt noch keine fachliche Diagnose, da sie noch nicht allgemein anerkannt ist, obwohl sie sich doch auch bei anderen ­– selbst Nebenfachgermanisten – beobachten lässt. Bei mir ist sie zudem historisch belegt.


Schrieb ich doch immer gute Noten im Fach Deutsch, so kam mit der ersten Arbeit über das Thema Kommaregeln die Ernüchterung. Wahrscheinlich (negative Erlebnisse verdrängt das Gehirn ja gerne) noch eine Drei, aber mit einem Minus fast über den Heftrand hinaus.  – Oder noch schlechter?
Vor einem angestrebten Studium der Soziologie galt es für mich erst einmal Geld zu verdienen und praktisches Wissen über Geldpolitik zu sammeln. Deshalb bewarb ich mich um einen Ausbildungsplatz zur Bankkauffrau. Und auch hier hieß es im persönlichen Gespräch bei meinem zukünftigen Arbeitgeber: „Im Bereich Allgemeinbildung haben Sie ja als Beste abgeschnitten, aber bei den Kommaregeln …“.
Während des Studiums fiel meine KRS weniger auf, konnte ich sie doch hinter soziologischer Terminologie in so langen Sätzen verstecken, dass es auf ein Komma mehr oder weniger nicht ankam. Und die damals anhaltenden Diskussionen über die Rechtschreibreform kamen mir auch zugute.
Leider verwirren mich diese neuen Regeln bis heute, haben aber auch ihr Gutes. Schließlich kann ich häufiger ein Komma setzen, muss es aber nicht.

An dieser Stelle habe ich einen kleinen Buchtipp – noch in den alten Rechtschreibregeln – aber sehr amüsant:

Emil Waas (Hrsg.), Margit Waas (Hrsg.): Es fängt damit an, daß am Ende der Punkt fehlt, Stilblüten aus amtlichen und privaten Schreiben, dtv,
ISBN der Taschenbuchausgabe 978-3-423-20104-9

Da ich wie jeder Mensch meine Fehler mache, sehe ich allerdings auch die Tragik hinter den Anschreiben, die während der Zeit der Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er Jahre an die Wohlfahrtsbehörden gerichtet waren.

Letztlich nutze ich das Komma gerne auch als künstlerisches Stilmittel, (hier kann ich, muss ich aber nicht) und der Punkt fehlt am Ende – hoffentlich – nie.

 

… ach, was weiß ich …   😊  … und: sag niemals nie …

2 Kommentare

  1. Ute Honauer

    Ist das tatsächlich das Buch, über das ich schon in meiner Jugend oft und gerne geschmunzelt habe – diese unfreiwillige Komik aus dem Schulalltag, dem Ringen um die passenden Worte im Behördenkontakt… Einfach herrlich!

    • Andrea Schellhase

      Das kann gut sein. Die Originalausgabe ist bereits aus dem Jahr 1973 und das Buch zeigt Postkarten, handgeschriebene Zettel, Quittungen, Behördenbriefe oder auch einzelne Schulheftseiten.
      Ja, wir machen alle Fehler. Schön, wenn man später drüber lachen kann 🙂.

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